Zehn Jahre Paul Newsman, ein Relaunch — jetzt auch mit KI
Was uns die Lehrkräfte 2024 ins Stammbuch geschrieben haben — und wie der komplette Neuaufbau von Paul Newsman daraus geworden ist.

Wie war das nochmal?
Stell dir vor, du sitzt 2017 vor uns und sagst zwei Sachen. Erstens: „In neun Jahren wird ChatGPT zur Routine in jedem Klassenzimmer." Wir hätten gesagt: klingt schlecht. Zweitens: „Und Paul Newsman gibt es dann immer noch." Wir hätten gesagt: klingt sehr gut.
Beides ist eingetreten.
Für die Neuankömmlinge in kurz: Die Idee entstand im April 2016, im Januar 2017 ging Paul dann online — ein Service, mit dem man in unter einer Minute eine täuschend echte deutsche Nachrichtenseite produziert. Vier Hauptmagazine zum Start — Kölner Abendblatt, Blitz Kurier, Britta und Grätsche — sowie der etwas später dazugekommene Ostdeutsche Anzeiger. Jeder Artikel sieht aus wie das echte Pendant, hat eine glaubwürdige URL, eine ordentliche Vorschau in WhatsApp und Slack — und ganz unten eine Aufklärungsbox, die genau das sagt: das war ein Fake.
Zwei Wochen nach dem Launch stand WDR Westpol bei uns im Wohnzimmer und drehte einen Fernsehbeitrag über Fake News, in dem Paul Newsman seine erste Hauptrolle bekam. Es folgten Tageszeitungen, Online-Magazine — und ein zehnminütiges Interview bei Rockland Radio, in dem wir nochmal in Ruhe erklären durften, was Paul ist und was er nicht ist. Die volle Bandbreite kannst du im Pressebereich durchklicken. Parallel dazu wurde Paul zur regelmäßigen Beute der Faktencheck-Stellen: Mimikama, CORRECTIV, dpa, Buzzfeed — manche unserer Artikel werden noch sieben Jahre nach Veröffentlichung als Satire-Quelle entlarvt, weil sie einfach nicht aufhören durchs Internet zu kreisen.
Dieser Artikel ist nicht mehr verfügbar
In den ersten Jahren war Paul Newsman vor allem ein Spielzeug für den privaten Kreis. Ein Nutzer schrieb uns Jahre später, er habe damit einmal seinen Bruder überredet, abends Pizza zu essen statt Spätzle — der Artikel kündigte eine baldige italienische Pizza-Export-Steuer an, der Lieblings-Italiener würde teurer, klare Sache. Solche Geschichten kamen uns über die Jahre dutzendfach unter.
Dann kam März 2020. Mit dem Beginn der Corona-Pandemie haben wir Paul vorübergehend heruntergefahren — wir wollten nicht, dass in einer Phase, in der ohnehin alle verunsichert waren, frisch erstellte Fake-Artikel zu Impfungen, Maskenpflicht oder Schulschließungen ins Netz wandern. Die Reaktion hat uns überrascht: Innerhalb weniger Tage erreichten uns mehrere Anfragen von Lehrkräften, ob sie Paul Newsman für ihren Unterricht weiterhin nutzen dürften — gerade jetzt, wo Schüler:innen in WhatsApp-Gruppen mit täglichen Falschmeldungen überschüttet wurden. Wir haben damals einen formlosen Lehrkraft-Freischaltungs-Weg eingerichtet — einfach per E-Mail bei uns melden, kurz erklären, wer man ist, wir schalten frei. Pragmatisch, manuell, aber es hat funktioniert. Sechs Jahre lang.
Mit der Zeit wurde aus dem Spielzeug ein Werkzeug — Lehrkräfte zeigten Paul Newsman im Unterricht, um Medienkompetenz nicht zu predigen, sondern zu spielen.
Stand heute, zehn Jahre später: über 180.000 erstellte Artikel und unzählige Einsätze in Schulklassen, Medienkompetenz-Schulungen, Workshops, Volkshochschulkursen und Eltern-WhatsApp-Gruppen.
April 2024: Wir haben gefragt
Im Februar 2024 fiel intern die Entscheidung: Paul Newsman braucht einen Relaunch. Im April — als die ersten Skizzen standen, aber noch nichts in Stein gemeißelt war — schickten wir allen Lehrkräften mit aktivem Account eine Umfrage. Acht offene Fragen, freier Text. Wir wollten unsere eigenen Annahmen mit der Realität abgleichen, bevor wir noch tausend weitere Stunden in eine Richtung investierten, die niemand braucht.

Die Rücklaufquote war besser als erwartet, und die meisten Antworten waren keine „danke, alles gut"-Sätze, sondern Absätze. Eine Trainerin für Lehrkräfte-Fortbildungen schrieb, sie habe in den letzten Jahren „mehrere 100 Lehrkräfte zu uns geführt" — das war der Moment, in dem wir verstanden haben, warum unsere Lehrkräfte-Userzahlen ohne klassisches Marketing gewachsen sind.
Vier Themen kamen immer wieder:
- „Bitte mit KI." Mehrere Lehrkräfte beschrieben dasselbe Dilemma: Sie hätten gern einen ganzen Artikel im Magazin-Stil — aber im Schulalltag bleibt schlicht keine Zeit, lange Texte aus dem Kopf zu tippen. „Auf KI Automaten bin ich gespannt", schrieb eine Person. Wir auch.
- „Lasst die Schüler:innen mit." Eine Lehrerin schrieb, sie lasse aktuell „mit einem Account mehrere Schüler:innen gleichzeitig arbeiten" — eine Notlösung, weil dreißig private Einzelregistrierungen für eine Klasse schlicht keine Option sind. Wir brauchten dafür eine richtige Antwort.
- „Material, nicht nur ein Tool." Mehrere wünschten sich Verweise auf klicksafe, CORRECTIV und Mimikama — und Übungsanlagen, die den Unterrichtseinstieg vorgeben. Paul Newsman als Werkzeug ist gut, aber Lehrkräfte brauchen Material drumherum.
- „Mehr Magazine." Wissenschaft, Englisch, Schweiz, Französisch, Spanisch. Die Liste war lang. Die meisten dieser Wünsche schauen wir uns für die nächste Runde an — multilingual ist eine ganz eigene Baustelle.
„Wenn die Kinder bereits in der Grundschule dafür sensibilisiert sind, wird das vielen in der Zukunft helfen."
Das war nicht nur ein Satz aus einer einzelnen Rückmeldung. Das war im Kern dasselbe, was die meisten uns mitgegeben hatten: Medienkompetenz ist kein 9.-Klasse-Thema, sondern beginnt deutlich früher.
Was wir gebaut haben
Wir haben den ganzen Service auseinandergenommen und unter der Haube neu gebaut — auf einer modernen, soliden Grundlage, die uns für die nächsten Jahre Luft gibt. Tausende Stunden, eine ganze Menge Geduld, ein paar Tassen Kaffee. Was dabei rauskam, ist im Kern dieselbe Plattform — täuschend echte Magazin-Artikel mit Aufklärungsbox darunter — aber an jeder Ecke etwas anders.
KI-Artikel-Generierung mit drei Tiefen

Du gibst eine Idee. Drei Stichworte. Eine Schlagzeile. Mehr nicht. Wir bauen daraus den ganzen Artikel — in der Stilrichtung der Zeitung deiner Wahl, mit passender Sprache, einem realistisch fehlbaren Zitat, mit Foto-Vorschlägen aus der Unsplash-Datenbank.
Drei Stufen, drei Preisklassen:
- Chefredaktion (3 Credits) — Reasoning eingeschaltet, denkt sich Pointen aus, hat Gefühl für Tonalität, schreibt manchmal Sätze, die wir auch besser nicht geschrieben hätten
- Standard (1 Credit, bezahlt) — schnell, brauchbar, perfekt für die spontane Falle im Familienchat
- Standard (1 Credit, frei) — wenn du es eilig hast und nur Buchstaben willst
Neuer Editor mit Vorschau

Der alte Editor war funktional, aber spartanisch — Text rein, fertig. Der neue kann deutlich mehr. Highlights:
Vorschau vor der Veröffentlichung. Bevor du speicherst oder publizierst, klick auf Vorschau und schau dir den Artikel im finalen Magazin-Layout an — wie er später wirklich aussieht. Kein Blindflug mehr.
Privat oder öffentlich. Bisher war alles, was du erstellt hast, automatisch öffentlich. Jetzt entscheidest du beim Anlegen: privat (nur du siehst den Artikel, Suchmaschinen kommen nicht ran, taucht in keiner unserer Übersichten auf) oder öffentlich (wie bisher). Wer bislang gezögert hat, weil ein Scherz für die Schwester nicht via Google auffindbar sein sollte — jetzt sauber gelöst.
Unsplash-Bildersuche. Direkt im Editor eingebaut — du klickst passende Stockfotos durch, ohne die Seite zu wechseln. Keine Copy-Paste-Akrobatik mehr zwischen Tabs.
Dazu Komfort drumherum: Live-Wortzahl, geschätzte Lesezeit und ein Zeichen-Counter mit weichen Limits zeigen auf einen Blick, ob die Länge passt.
Und neu mit dem Relaunch: die Autorenliste. Ein Klick, schon steht ein Name wie Klara Kokolores, Kurt Tucholsky oder Frank Faktenfinder über dem Artikel. Im Pool versteckt: Megan Carter aus dem 1981er-Film, der Paul seinen Namen gegeben hat. Eigene Namen weiterhin frei eintippbar.
Audio-Vorlesefunktion

Jeder Artikel — egal ob per KI generiert oder per Hand geschrieben — lässt sich für 3 Credits in eine professionelle Audio-Version verwandeln. Sekunden später hast du eine Vertonung in der Qualität, die echte Online-Magazine heute für ihre Beiträge einsetzen.
Besonders praktisch, wenn man den Artikel in einer Klasse oder Gruppe abspielen will, ohne ihn selbst vorzulesen — die Stimme übernimmt das souverän. Und ganz nebenbei rundet die Audio-Funktion den professionellen Auftritt eines Online-Artikels im Jahr 2026 erst richtig ab.
Schüler-Modus für Lehrkräfte

Lehrkräfte können ihre Klasse jetzt sauber mit Paul Newsman arbeiten lassen — Schüler:innen bekommen einen eigenen Modus, passend für den pädagogischen Rahmen, statt das Lehrer-Backend mit allen Stellschrauben zu sehen. Fürs Gesicht in der Redaktion wählen sie einfach einen unserer 168 Avatare — ein Foto braucht dafür niemand hochzuladen.
Drumherum: Credits zentral über die Schule kaufen, Schulrechnung statt 30 Einzel-Bestellungen aus dem Lehrerzimmer. Und die Bildungstarife sind dabei bis zu 73 % günstiger als der reguläre Preis — wir wollen, dass Schulen Paul Newsman einsetzen können, ohne im Förderverein dafür sammeln zu müssen.
Drumherum läuft die Lehrkraft-Verifizierung — die gab es bisher per E-Mail-Pingpong mit uns. Mit dem Relaunch ist sie sauber im Account verankert: einmal Nachweis hochladen (Schul-Ausweis, Hochschul-Mail oder Bestätigung der Schulleitung), kurze Sichtprüfung von uns, fertig. Niemand muss uns seinen Stundenplan schicken.
Spickzettel und Medienkompetenz-Material

Wir hatten 2017 die Aufklärungsbox unter jedem Artikel. Das war die Aufklärung zum Artikel. Was fehlte: die Aufklärung zur Welt. Also haben wir Spickzettel gebaut — kompakte PDFs, die zeigen, wie man Fake News erkennt. Wie man URLs liest. Wie man Bilder rückwärts sucht. Wie man versteht, warum eine Schlagzeile so gemacht ist, wie sie gemacht ist.
Dazu kommt eine kuratierte Übersicht zu Medienkompetenz-Quellen — mit Verweisen auf die Stellen, an denen Wissenschaft, Fact-Checker und Medienpädagogik das Thema ernsthaft bearbeiten. Wir maßen uns nicht an, das selbst zu erfinden, aber wir bündeln es.
Fünf Magazine, frisch gestrichen

Die fünf Magazine haben jeweils eine Designauffrischung bekommen. Schriftarten näher am echten Pendant, Layouts, die mit aktuellem Online-Journalismus mithalten, eigene Farbpaletten.
Und „druckfrisch ans Volk" gilt diesmal wörtlich: Jeder Magazin-Artikel hat eine anständige Druckansicht für das Klassenzimmer, inklusive Aufklärungshinweis am Seitenfuß — auch auf Papier ist klar, was Sache ist.
Dieser Artikel ist nicht mehr verfügbar
Dieser Artikel ist nicht mehr verfügbar
Dieser Artikel ist nicht mehr verfügbar
Was sich nicht geändert hat
Die DNA. Jeder Artikel hat unter der Linie die Aufklärungsbox. Wer drauf klickt, landet bei der Aufklärung. Wer ins Impressum geht, landet bei der Aufklärung. Wer eine weiterführende Suchanfrage stellt, landet bei der Aufklärung. Wir wollen, dass jede:r, die einem Paul-Newsman-Artikel begegnet, maximal zwei Klicks entfernt vom Hinweis „Achtung, Fake" ist.
Beim Thema Werbung bleiben wir konsequent: Im Bildungskontext — alle Artikel, die Lehrkräfte oder Schüler:innen erstellen — sieht niemand jemals echte Werbung. Bei privaten Artikeln bleibt es bei der Fake-Werbung, solange ein Artikel weniger als 200 Mal aufgerufen wurde. Erst darüber können tatsächliche Werbeanzeigen erscheinen — und das trifft am Ende nur einen kleinen Bruchteil aller Artikel überhaupt, gibt uns aber die Basis, alles drumherum kostenlos zu halten.
Wir wollen weiterhin keine Reichweite-um-jeden-Preis. Wir wollen weiterhin, dass Menschen durch Paul Newsman lernen, statt verunsichert zu werden.
Was 2017 gegen Falschmeldungen einzelner Trolle reichte, reicht 2026 nicht mehr gegen KI, die ganze Artikelstrecken in Sekunden produziert. Genau deshalb braucht es Tools, die das anschaulich machen — nicht abstrakt.
Wer hat das gebaut?
Paul Newsman ist ein privates Projekt aus Koblenz. Zehn Jahre in der Werkstatt, mit deutlich grauerer Haarpracht und den gleichen guten Vorsätzen.
Großer Dank an alle Lehrkräfte, die uns ihre Wunschlisten geschickt haben. Größerer Dank an die, die über die Jahre Bug-Reports beigesteuert haben. Der größte Dank an alle, die Paul Newsman in den letzten zehn Jahren genutzt haben, um ihre Mama, ihre Freundinnen, ihre Klasse, ihren Sportverein und in einem dokumentierten Fall auch das eigene Finanzamt zu veräppeln.
Wie es weitergeht
Ein paar Dinge stehen schon fest auf der Liste — die kommen, sobald diese Runde im Alltag angekommen ist:
- QR-Code-Logins für Schüler:innen — eingangs der Stunde scannen, loslegen, fertig. War in der Umfrage mehrfach gewünscht, kommt nach dieser Runde
- Weitere Magazine — Wissenschaft und Wirtschaft sind die offensichtlichsten Lücken
- Klassenraum-Modus, mit dem Lehrkräfte Artikel als Übungsaufgaben verteilen können
- „Sieh-mal-was-meine-Klasse-baute"-Wettbewerb mit kuratierten Highlights
- KI-generierte Bilder — vielleicht später. Erst muss sich das neue Standard-Setup bewähren
Wenn dir was einfällt, das wir bauen sollten: schreib uns. Wir lesen wirklich alles.
Wie medienkritisch/-kompetent ist eigentlich Deutschland im KI-Zeitalter? Paul Newsman wird es zeigen — diesmal mit KI an Bord.
Wenn dir der Artikel gefallen hat — klatsch Paul Beifall. Bis zu 50× pro Person, mehr ist nicht drin.
